Rückblick zum Rheinmetall entwaffnen Camp und den Aktionstagen

+++ Mehrere hundert Teilnehmende auf dem Camp in Unterlüß +++ Aktionen in Erinnerung an Zwangsarbeit im Faschismus +++ Blockaden von Zufahrtsstraßen des Rüstungskonzern +++ Angriffe auf militärische Infrastruktur der Bundeswehr und NATO in der Region +++

Anfang September fand in der kleinen Ortschaft Unterlüß in Niedersachsen das “Rheinmetall entwaffenen” Camp statt. Bundesweit und spektrenübergreifend wurde auf das Camp mobilisiert. Als Perspektive Kommunismus waren wir städteübergreifend vertreten und haben uns an Camp, Blockaden und Aktionen beteiligt, sowie einen Vortrag organisiert.

Der Platz des Camps – nur wenige hundert Meter vom Rheinmetall-Betriebsgelände entfernt – war gut gewählt und ein geeigneter Ausgangspunkt für Blockaden. Die großflächig angelegte militärische Infrastruktur wie Truppenübungsplätze und z.B. ein Militärmuseum in der Region wurde zudem von AktivistInnen als Ansatzpunkt zur Erweiterung des Aktionsrahmens und für direkte Angriffe genutzt. Laut Berichten im Internet sind Aktionsgruppen in mehrere militärische Sperrgebiete eingedrungen, haben Übungsdörfer der Bundeswehr markiert und dazugehörige Infrastruktur beschädigt.

Ziel der Blockade am Freitag, den 6. September war es, die Zufahrtsstraßen zur Rheinmetall Munitions- und Panzerrohrfabrik für Autos, Lastwagen und Beschäftigte zu blockieren. Die größeren Zufahrtsstraßen waren bereits am frühen Morgen besetzt. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass weitere Ausweichs- und Zufahrtswege zur Fabrik passierbar waren. Erst durch eigenständig und schnell agierene Bezugsgruppen konnten mit umfassenden Materialblockaden aus Baumstämmen und Ästen weitere Zufahrtswege versperrt werden. Als dann für ein kurzes Zeitfenster tatsächlich alle Zufahtswege zum Gelände blockiert waren, griffen die Cops brutal durch und räumten gewaltsam Blockadepunkte. Es ist davon auszugehen, dass die zurückhaltende und defensive Polizeistrategie am frühen Morgen bei den großen Finger-Blockadepunkten darin begründet liegt, dass das ursprüngliche Blockadekonzept einige Zufahrtsmöglichkeiten außer Acht gelassen hatte.

Auf der Demonstration am darauffolgenden Tag mit rund 600 TeilnehmerInnen organisierten wir einen eigenen Bereich. Zahlreiche Schilder in Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf sorgten hier nicht nur für eine klar internationalistische Prägung, sie sollten ebenso einen kleinen Beitrag zu den International Days of Action der spektrenübergreifenden Kampagne #riseup4rojava darstellen. In diesem Zusammenhang zündeten AktivistInnen darüberhinaus in einer koordinierten Aktion mehrere Rauchtöpfe in den Farben der kurdischen Befreiungsbewegung.

Fazit

Für uns ist Antimilitarismus ein Bestandteil revolutionärer Politik, der zwar ganz eigene Potenziale und Formen der politischen Mobilisierung und Organisierung erfordert, aber nicht zu trennen ist, von einem proletarischer Internationalismus. Ein Internationalismus, der die Klassensolidarität und die Perspektive der Selbstermächtigung der Ausgebeuteten und Unterdrückten als verbindendes Element der Kämpfe in verschiedenen Ländern in den Fokus rückt, ihre besonderen Entwicklungsformen beachtet und zugleich lebendige Formen des Austausches, der gegenseitigen Unterstützung und Motivation entwickelt.

Der auf dem Camp allgegenwärtige Bezug zur kurdischen Befreiungsbewegung und dem fortschrittlichen Aufbauprozess in Rojava war und ist für uns keine Einbahnstraße. So verstehen wir eine revolutionäre Organisierung, symbolische und reale Angriffe auf den deutschen Imperialismus als wichtigsten Beitrag internationaler Solidaritätsarbeit. In Zeiten einer schwach aufgestellten Antikriegsbewegung war das Camp eine gute Gelegenheit überregional zusammenzukommen, sich inhaltlich auszutauschen und in Aktion zu treten. Es bot sich die praktische Gelegenheit eine Symbolpolitik zu überwinden und den Feind direkt anzugreifen. Die Herausforderung besteht darin, diese Praxis in den politischen Alltag zu integrieren. Dabei muss es uns auch gelingen einen guten Umgang mit den Beschäftigten in der Rüstungsindustrie und den BewohnerInnen in Ortschaften wie Unterlüß zu etablieren, die finanziell von dem Produktionsstandort abhängig sind. Es liegt an uns Alternativen und Möglichkeiten der Rüstungskonversion aufzuzeigen. Klar ist aber auch, dass im Kapitalismus weder Rheinmetall noch ein anderer Rüstungskonzern zu einer zivilen und nachhaltigen Produktion umstrukturiert werden wird. Dafür gibt es zu viele Profiteure im Rüstungssektor und werden die Waffen benötigt für die zahlreichen Kriegseinsätze im Ausland und zur Aufrechterhaltung der bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Wir sollten uns dennoch nicht entmutigen lassen. Denn die Gewehrläufe müssen nicht bis in alle Ewigkeit in die Richtung zeigen, die die Herrschenden dieses Systems ihnen weisen. Die Waffen die die Machteliten und Kapitalisten heute produzieren können die gleichen sein, die sie morgen entmachten und Räume für den Aufbau einer Gesellschaft eröffnen, die auf Solidarität, Kollektivität und Nachhaltigkeit gründet.

Unser Aufruf zum “Rheinmetall entwaffnen” Camp als PDF

Aktionsübersicht

Rheinmetall entwaffnen – Militär Übungsdorf markiert und Sicherungskästen zerstört:
https://de.indymedia.org/node/37183

Bergen: Schieß- und Übungsplatz der NATO angegriffen:
https://de.indymedia.org/node/37223

Kriegspropaganda sabotieren – Panzer mit Farbe markiert!
https://de.indymedia.org/node/37109

Rheinmetall entwaffnen – Besuch auf Nato-Truppenübungsplatz Bergen:
https://de.indymedia.org/node/37249

Truppenübungsplatz in Munster markiert:
https://de.indymedia.org/node/37255

Südheide / Angriff auf NATO-Schießstand:
https://de.indymedia.org/node/37258

Fotos vom Blockadetag

 

Fotos von der Demonstration

 

Fotos von Aktonen in der Region

(Quelle der Bilder: de.indymedia)