Wann, wenn nicht jetzt?

Die Revolution in Rojava verteidigen!

Die Ereignisse in Syrien überschlagen sich.

Nachdem das syrische Regime bereits in den letzten Wochen kurdische Stadtteile in Aleppo angegriffen hat, ist es nun zum zum Generalangriff auf die Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien übergegangen. Mittlerweile sind die mehrheitlich arabischen Städte unter Kontrolle des syrischen Regimes, in anderen Teilen Rojavas wird nach wie vor heftiger Widerstand geleistet. Insbesondere Kobane, eine Stadt, die wie sonst keine für den Widerstandsgeist Rojavas steht, ist aktuell eingekesselt durch die islamistischen Milizen unter Führung Jolanis.

Ohne wirklich tief in die militärische Situation vor Ort einzusteigen, lässt sich Eines klar sagen: Die Situation ist verdammt ernst. Es geht im Moment um alles. Es geht darum, ob Rojava fortbesteht oder fällt.

Rojava wurde niemandem Geschenkt, Rojava wurde erkämpft!

Das merkt man auch jetzt. Tausende reißen Grenzzäune nieder und versuchen nach Rojava zu gelangen, um sich an der Verteidigung zu beteiligen. Die Selbstverwaltung hat die Generalmobilmachung ausgerufen. Jede Zelle der Gesellschaft beteiligt sich nach ihren Möglichkeiten an der Selbstverteidigung.

Internationalist:innen greifen zu den Waffen und rufen weltweit dazu auf jetzt nach Rojava zu kommen. Auf der ganzen Welt strömen Menschen auf die Straßen um auf die Geschehnisse aufmerksam zu machen, ihren Genoss:innen Solidarität und Kraft zu schicken.

Die Errungenschaften Rojavas und der kurdischen Freiheitsbewegung sind immens.

Rojava ist ein Leuchtfeuer im sonst so reaktionären 21. Jahrhundert. Es hat gezeigt, dass auch heute noch eine revolutionäre Perspektive real werden kann, dass es inmitten von Barbarei und Reaktion möglich ist, demokratische Rätestrukturen, Frauenbefreiung, Ökologie und ein multi-ethnisches Zusammenleben praktisch werden zu lassen. Gleichzeitig war das Projekt nie eine Insel der Glückseligkeit. Der jahrelange, auf Zermürbung zielende niedrigschwellige Spezialkrieg der Türkei, ökonomische Herausforderungen und selbstverständlich auch verschiedenste Widersprüche in der Bevölkerung, gehören genauso zur Realität Rojavas, wie die Errungenschaften.

Wesentlich ist: Es ist ein authentischer revolutionärer Versuch, in dem die Bevölkerung keine bloße Zuschauerrolle einnimmt. Mit der Entwicklung des revolutionären Volkskriegs hat die kurdische Bewegung eine Strategie entworfen, die große Teile der Gesellschaft in die Selbstverteidigung miteinbezieht, die politische, soziale und militärische Elemente miteinander verbindet.

Und nicht zuletzt war Rojava immer ein internationalistisches Projekt. Es war immer – auch jetzt noch – möglich, sich daran zu beteiligen, einzutauchen und auch praktische Erfahrungen zu sammeln.

Die Imperialisten sind Feinde Rojavas!

Dass der Westen ein revolutionäres Projekt nicht dauerhaft dulden wird, war klar. Das Bündnis mit den SDF im Rahmen der „Anti-IS-Koalition“ war immer rein taktischer Natur. Dass die USA und auch der Rest der NATO nun grünes Licht für den Vernichtungsfeldzug gegen Rojava geben, war zumindest langfristig gesehen absehbar. Nachdem die freidrehenden IS-Banden etwas eingehegt werden konnten und Assad gestürzt wurde, bietet das neue syrische Regime den westlichen Imperialisten nun die Möglichkeit ihren Einfluss in der Region weiter auszubauen und auf Ressourcen zuzugreifen.

Nur wenige Tage nachdem die Jolani-Dschihadisten Anfang Januar mit ihrer Offensive gegen kurdische Stadtteile Aleppos, mit Massakern und Verschleppungen begannen, hat die CDU-Politikerin von der Leyen dem Regime im Namen der EU-Kommission 620 Millionen Euro Finanzhilfe für die nächsten zwei Jahren zugesichert. Deutlicher geht es nicht.  

Auch die deutsche Regierung unter Friedrich Merz hat mit der nun verschobenen Einladung Jolanis nach Berlin klar gezeigt, dass sie auf der Seite der Reaktion steht und kein Interesse am Fortbestehen der einzigen Demokratie im Nahen- und Mittleren Osten hat. Sie strebt eine engere Kooperation mit der türkischen Rüstungsindustrie an und setzt Erdogans Repression gegen türkische und kurdische Linke auch hier im Land fort.

Strategisch gesehen sind alle imperialistischen und kapitalistischen Länder, die in der Region um ihre Interessen ringen, Feinde der Revolution: sie wollen eine Konterrevolution. Eine Region unter demokratischer Kontrolle der Bevölkerung, die sich nicht entlang ethnischer Grenzen spalten lässt, ist das Letzte was sie wollen – darin sind sie sich mit den Reaktionären vor Ort einig.

Sie wollen keine Selbstbestimmung in den kurdischen Gebieten, geschweige denn einen Staat mit sozialistischen Elementen. Denn das würde alle kapitalistischen Länder in der Region schwächen. Da wird lieber in Kauf genommen, dass zehntausende IS-Dschihadisten, die jahrelang von der Selbstverwaltung in Rojava gefangen gehalten wurden, die Region – und auch den Westen selbst – wieder mit Terror überziehen können. Behütet von der Türkei und dem Jolani Regime.

Jetzt oder nie!

Jetzt müssen wir alle auf die Straße gehen, die Doppelmoral der deutschen Politik entlarven und internationalen Druck gegen den Angriffskrieg aufbauen. Der Kurs der herrschenden Politik in Richtung autoritärer Staat und Militarisierung, ihr strategisches Interesse an einem prowestlichen Syrien und an einem guten Verhältnis zum NATO-Partner Türkei wird sich nicht durch Apelle an eine vernünftige oder menschlichere Außenpolitik verändern.

Die Veränderung entsteht von unten. Überall auf der Welt finden massenhafte Proteste statt. Schließt euch ihnen an!

Der Hauptfeind steht im eigenen Land! Aktionen gegen deutsche Regierung, gegen die deutsche Kriegsindustrie und alle Profiteure des Krieges sind in der aktuellen Phase wichtig. Wenn wir hier vor Ort den deutschen Imperialismus bekämpfen, ist das die beste Art und Weise, unsere Solidarität zu zeigen und den Widerstand der Freiheitskämpfer:innen zu unterstützen.

Kobane und Rojava wurden auch in der Vergangenheit mit Hilfe einer breiten internationalen Solidaritätsbewegung, die in zahlreichen Ländern kämpferisch auf der Straße gegangen ist gegen den IS verteidigt. Diese internationalistische Dynamik stärkt antikapitalistische und revolutionäre Linke weltweit.

Lasst uns nun die Revolution gegen das syrische Regime und den NATO Imperialismus verteidigen!

Biji berxwedana Rojava!