Das war der 1. Mai 2026

Der 1. Mai ist vorbei. Weltweit gingen Millionen von Menschen für die Perspektive einer befreiten Gesellschaft und den Bruch mit dem Kapitalismus auf die Straße.

In der BRD setzte sich der Trend von letztem Jahr fort ­– beinahe überall wachsen die revolutionären 1. Mai Demos an und auch insgesamt werden immer mehr revolutionäre Demonstrationen organisiert.

Das zeigt, dass in der aktuellen Krisenphase immer mehr Menschen nach einer Perspektive zum Kapitalismus suchen und dafür auf die Straße gehen. Für uns ist das ein Punkt, an dem wir anknüpfen können und müssen.

Dem sei noch angefügt: Revolutionäre Praxis hat viele Ebenen. Die jährliche revolutionäre Demonstration spielt eine große Rolle beim Schaffen von Gegenkultur. Sie bringt verschiedenste Ansätze und Projekte gemeinsam auf die Straße, demonstriert Einheit und gemeinsamen Handlungswillen für das Ziel der sozialistischen Ordnung. Sie ist eine Möglichkeit, revolutionäre Politik, unsere Inhalte und Ansätze für ein breites Publikum greifbar zu machen. Gleichzeitig werden die kommenden Kämpfe sich nicht an – in gewisser Weise auch tradierten und ritualisierten – Demonstrationen entscheiden. Die kommenden Kämpfe werden einen anderen Charakter und ganz neue Herausforderungen mit sich bringen.


Bonn

Insgesamt war die DGB-Demonstration deutlich größer als in den Vorjahren. Der Klassenkampf-Block stellte mit etwa 250 Teilnehmenden rund ein Drittel der Demonstration. Im Anschluss an die DGB-Demo zog ein Teil dieses Blocks als spontane Demonstration zum internationalistischen 1.-Mai-Fest in der Altstadt. Auch das Fest war in diesem Jahr besser besucht als in den Vorjahren.


Frankfurt am Main

Bericht von gegenmacht.info:

Begonnen hat der Tag auf der DGB Demo in Frankfurt, Offenbach und Mainz. Anschließend daran haben wir gemeinsam den Tag auf dem internationalistischen Klassenfest im Frankfurter Gallus Viertel verbracht. Mit über 1000 Menschen haben wir den Tag unserer Klasse mit Essen, Tombola und musikalischen Acts begangen, bevor die Demonstration um 19 Uhr nach einer Kundgebung loszog. Von Beginn an haben es sich die Bullen nicht nehmen lassen, uns mit abstrusen Auflagen und dem wiederholten Aufstoppen der Demonstration zu überziehen. Das haben wir nicht auf uns sitzen lassen, und konnten selbstbestimmt und straßenfüllend unsere Demonstration fortführen. Wir haben es dabei geschafft, die 1.Mai Demo nicht bei einer bloßen Tradition zu belassen, sondern haben diesen Tag mit Leben und Kampfgeist gefüllt und uns spontan immmer wieder Freiräume genommen.

Wir waren mit etwa 3.000 Genoss:innen auf der revolutionären 1.-Mai-Demo in Frankfurt; in Hessen beteiligten sich insgesamt über 20.000 Menschen. Der Tag begann auf DGB-Demos in Frankfurt, Offenbach und Mainz und wurde anschließend beim internationalistischen Klassenfest im Gallus (mit über 1.000 Besucher:innen, Essen, Tombola und Musik) fortgesetzt.

Die Polizei verhängte wiederholt Auflagen und stoppte die Demo, doch wir setzten sie selbstbestimmt und straßenfüllend fort. Etwa auf halber Strecke kam es zu Auseinandersetzungen wegen Fahnen, die unserem Demokonsens widersprachen; nach mehrfachen Aufforderungen blockierten Genoss:innen die betreffenden Personen, woraufhin die Polizei eingriff — wir solidarisierten uns lautstark und setzten die Demonstration kämpferisch fort.


Hamburg

Hinter dem diesjährigen 1. Mai stand eine vielseitige Mobilisierung, die sowohl mit verschiedenen Bündniskräften als auch in der neu gegründeten „Kommunistischen Runde“, einem offenen kommunistischen Treffen geplant und inhaltlich diskutiert wurde.

Am Abend des 30.4. gab es eine gemeinsame Anreise zur revolutionären Vorabend-Demo nach Kiel. Der 1. Mai selber startete mit einem klassenkämpferischen Block auf der DGB-Demo, der mit etwa 700 Teilnehmer:innen größer als im vergangenen Jahr war. Im Block gab es einen eigenen Lautsprecherwagen mit internationalistischen und klassenkämpferischen Schwerpunkt. Am Anschluss zogen etwa 100 Leute zum linken Info- und Kulturladen „Lüttje Lüüd“ auf der Veddel, um sich dort in einer „solidarischen Mittagspause“ für die weiteren Aktivitäten am Tag zu stärken

Um 17 Uhr startete das inzwischen traditionelle „Klassenfest“ zum Auftakt der revolutionären 1. Mai Aktivitäten mit einem Line-Up aus bundesweit bekannteren linken Rapper:innen. Nach dem musikalischen Programm bildete das Fest schließlich auch den Ausgangspunkt der revolutionären 1. Mai Demo.

Die Demo mit Anfangs 10.000 Teilnehenden konnte erst nach 2 Stunden Bullenschikane loslaufen. Der offzielle Grund der Bullen: „zu viele Teilnehmer:innen“. Das spricht dafür, dass das Kräfteverhältnis in der Situation recht klar auf Seite der Demo war. Dazu beigetragen hat wohl auch, dass die anarchistische 1. Mai Demo zeitgleich in räumlicher Nähe laufen sollte. Die Route musste letztendlich stark verändert werden. Die Demo gab sich allerdings flexibel und kreativ; Aktionen wurden offensichtlich spontan angepasst, im vorderen Bereich kam viel Pyrotechnik zum Einsatz.

Das Amtsgericht Hamburg bekam im Vorbeigehen einen kleinen neuen Anstrich verpasst. Hier wurden neben den ersten Todesurteilen gegen Kommunist:innen in der BRD im Zusammenhang mit dem Altonaer Blutsonntag auch Prozesse gegen Genoss:innen im Zusammenhang mit dem G20 geführt.

Die Bullen haben sich zwar durchgehend bedrohlich gegeben, haben aber keinerlei tatsächliche Angriffe durchgeführt. Sie wirkten im gesamten überfordert, während das Auftreten der Demo-Teilnehmer:innen von Entschlossenheit geprägt war.

Während der stark verspäteten Demo wurden die Bullen zusätzlich noch mit einigen Aktionen im umliegenden Stadtgebiet auf Trab gehalten: Mülltonnen gingen in Flammen auf und mit Sprühereien wurde das Stadtbild an verschiedenen Stellen umgestaltet.


Karlsruhe

Der Tag begann mit einer Spontandemo zur Auftaktkundgebung der DGB-Jugend. Der Versuch der Bullen, die Demo aufzuhalten scheiterte, weil die Teilnehmer:innen sich davon nicht beeindrucken ließen, eine Polizeikette durchbrechen konnten und schließlich in kämpferischer Stimmung zur Gewerkschaftsdemo gelangten.

Auf der DGB-Demonstaration fanden eine feministische AKtion, und ein antimilitaristisches Straßentheater statt. Beim Straßentheater folgte der nächste Angriff: 15-20 Bullen schirmten die beteiligten Genoss:innen und Gewerkschaftsmitglieder von der Demonstaration ab und nahmen 2 für den Rest des Tages in Gewahrsam.

Die revolutionäre Demo startete im Anschluss an die Gewerkschaftsaktivitäten mit ca. 1000 Teilnehmer:innen – größer als je zuvor in Karlsruhe. Eine größere kollektive Anreise aus Landau wurde durch polizeiliche Taschenkontrollen schikaniert und verzögert.

Die Demo selbst wurde von den Bullen mehrfach aufgestoppt und mit Knüppeln angegriffen, die Abschlusskundgebung wurde untersagt. Das anschließende 1. Mai-Fest in der Luisenstraße war ein voller Erfolg.


Kiel

Es gab eine breite Mobilisierung, bei der die 1.Mai-Zeitung als Bezugspunkt gut wirkte – etwa durch Lesekreise sowie Betriebs‑ und Schulverteilungen.

Die Vorabenddemo ist mit 600 Teilnehmer:innen an der Spitze zahlenmäßig gewachsen, hat sich aber vor allem qualitativ weiterentwickelt: Handlungsspielräume wurden stärker genutzt und das Auftreten insgesamt selbstbestimmter. Besonders bemerkenswert ist, dass sich in Schleswig‑Holstein zunehmend Strukturen bilden, die sich an einer sozialistischen Perspektive und einer kämpferischen Praxis orientieren und sich auf der Vorabenddemo wieder gefunden haben.

Auch die antikapitalistische Beteiligung an der DGB‑Demonstration ist erneut gewachsen.

Ca. 40 Personen beteiligten sich an einer organisierten Anreise zur revolutionären Demo in Hamburg.


Köln

Im Rahmen der revolutionären Demo nahmen sich über 4000 Personen die Straße in Köln Kalk. Dabei griff die Polizei wiederholt die Versammlung an, prügelte auf Jugendliche ein und eskalierte die Situation mit lautstarken Provokationen kontinuierlich.

Das überzogene Polizeiaufgebot konnte die kämpferische und solidarische Stimmung aber nicht brechen. Über die Strecke erfuhr die Demonstration viel Zuspruch von Nachbar:innen und konnte sich kollektiv den willkürlichen Angriffen der Polizei entgegenstellen. Es konnten mehrere Aktionen erfolgreich durchgeführt werden, so wurde ein riesiges Transparent über den Frontblock gezogen, welches mit Pyrotechnik untermalt wurde.


München

Es gab eine starke antikapitalistische Beteiligung an der DGB-Demonstration. Die Stimmung war gut und es gab eine Aktion zur Untermalung der Antikriegs-Jugend-Rede auf dem Marienplatz.

Die revolutionäre Demonstration hat sich nahezu verdoppelt und zählte mehr als 3.500 Teilnehmende; sie war internationalistisch geprägt und wurde von verschiedenen linken Gruppen getragen, die Auftaktrede hielt die revolutionäre Struktur ALM.

Trotz eines großen Polizeiaufgebots und wiederholter Versuche, die Demo aufzuhalten und selbstbestimmten Ausdruck zu verhindern, ließ sich die Demonstration nicht einschüchtern: immer wieder wurden Pyrotechnik eingesetzt, ein großes Top-Transparent mit paralleler Graffiti-Aktion gezeigt, und die Demo trat durchgehend selbstbewusst und kämpferisch gegenüber dem USK-Spalier auf.

Das 1.-Mai-Fest dauerte bis in die Nacht, platzte aus allen Nähten und brachte Jung und Alt zusammen; es gab reichlich Essen, Kuchen, Getränke und Live-Musik.

vollständiger Bericht der Antikapitalistischen Linken München


Stuttgart

Der Tag begann mit einem kämpferischen antikapitalistischen Block auf der DGB-Demo, in dem 600 Beschäftigte aus verschiedenen Branchen klar machten, dass Sozialpartnerschaft keine Perspektive bietet.
An der revolutionären 1.-Mai-Demonstration beteiligten sich konservativ geschätzt 2.300 Menschen; geprägt wurde sie von vielen Jugendlichen, organisierten Kommunist:innen und Gewerkschaftsaktivist:innen. Mit Grußwörtern aus Kuba und der Internationalen Kommune in Rojava war die Demo stark internationalistisch ausgerichtet. Der Zweifronten-Kampf fortschrittlicher Kräfte im Iran gegen den imperialistischen Krieg und das reaktionäre Regime wurden von der iranischen Gruppe Feminists4Jina aufgegriffen. Die Polizei war zwar mit großem Aufgebot präsent, hielt sich jedoch überwiegend im Hintergrund. Der diesjährige erneute Zuwachs und Diversität der Teilnehmenden ist ein klares Zeichen der Stärke.

vollständiger Bericht der Revolutionären Aktion Stuttgart


Tübingen

In Tübingen gab es dieses Jahr zum allerersten Mal eine revolutionären Vorabenddemo, an der sich etwa 150 Menschen beteiligten. Im abschließenden Redebeitrag der Kommunistischen Aktion Tübingen ging es darum, die Perspektivlosigkeit der aktuellen Krisen zu beantworten: Mit dem Aufbau einer revolutionären Bewegung, die Teil ist von kleinen wie großen alltäglichen Kämpfen.

Die antikapitalistische Beteiligung an der DGB-Demonstration entschied sich dieses Jahr – anders als die vier Jahre zuvor – sich ohne eigenes Frontbanner, ohne Block, an der Demo zu beteiligen. Gemeinsam mit Kolleg:innen aus verschiedenen Tübinger Betrieben wurde Rauch gezündet und ein Banner mit den Gesichtern von Pistorius, Merz und Klatten kaputt gemacht. Auch die Kritik am diesjährigen DGB-Motto kam nicht zu kurz.

Im Anschluss an die Kundgebung des DGB ging es zum 1. Mai Fest vom Linken Zentrum Trude Lutz, wo Kolleg:innen und Aktivist:innen den Tag noch ausklingen ließen. Besonders hervorzuheben ist hier das gemeinsame Singen sowie eine Ausstellung zum 1. Mai auf der ganzen Welt.


Villingen-Schwenningen

Die Zahl der Teilnehmenden lag mit etwa 90 nicht über dem Vorjahr, zeigte aber einen deutlichen Zuwachs an jungen und migrantischen Genoss:innen.

Die revolutionäre Perspektive und der Sozialismus standen inhaltlich im Mittelpunkt, darüber hinaus war Internationalismus war ein zentraler Bestandteil der Mobilisierung – mit lebendigem Bezug zu Palästina, Rojava & Kuba.

Die Polizei war präsent, hielt sich aber weitgehend an Dienstvorschriften und zog sich nach dem offiziellen Ende der Demonstration zurück; das abschließende Fest im linken Zentrum war gut besucht.


Eindrücke aus weiteren Städten